Tesa
Kleber

Gentrifizierung geht in beide Richtungen

Gentrifikation ist kein neuer Begriff. Bereits in den 60ern wurde er erstmals von Soziologen verwendet und hat nachweislich bereits 1888 in Islignton, GB stattgefunden.

Dieser Effekt ist jedoch im Postkapitalismus aktuell wie nie zuvor.

Wir erklären die Gentrifizierung mal ganz einfach:

Es gibt in vielen Städten heruntergekommene Viertel. Dort wohnen eher die Ärmeren. Die Mieten und Einkaufspreise sind billig und eigentlich fühlen sich die Leute in ihrem Viertel ganz wohl. Irgendwann wird dieser Stadtteil zu einem Szeneviertel: Punks siedeln sich an, weil sie dort wenigstens eine Bude bekommen, Künstler, die am Hungertuch nagen, ziehen dort hin und das Viertel wird zu einer aktiven community, weil die Leute sich ihr assiges Unfeld mit d.i.y. Projekten wohnlicher gestalten. Leider finden das irgendwann auch intellektuelle Snobs cool: “Hach, ich bin ja sooo alternativ, wenn ich da hin ziehe.” Nur, die Neureichen begnügen sich natürlich nicht mit einem besetzten Abrisshaus, sondern sie wollen das Flair des Viertels, aber eine Luxussanierte Wohnung. Jetzt wittern natürlich auch die Immobilienhaie das Geschäft, bauen leerstehende Wohnungen mit allerlei Schnickschnack aus, ekeln bestehende Mieter zu diesem Zweck raus und verdoppeln die Mietpreise. Nach und nach kann sich niemand der ursprünglichen Bewohner mehr leisten in dem Assiviertel zu wohnen und eigentlich ist es plötzlich gar nicht mehr so assi, weil die neuen, superreichen Bürger doch gerne teuere Modeboutiquen vor Ort hätten. Irgendwann wohnen nur noch Bonzen in dem Viertel und die begnügsameren Leute, die sich dort ein cooles Viertel aufgebaut hatten, haben wieder nichts und müssen sich irgendwo güstigeren Wohnraum in einem Betonklotz suchen.

Die Gentrifikation hat die bekannten Szeneviertel Kreuzberg und St. Pauli bereits fast ausgefressen und ist auch in Bayern, beispielsweise in Gostenhof in Nürnberg, dem Glockenbachviertel in München oder bei der Zuckerfabrik in Regensburg (neuerdings in “Candis” umbenannt) in Gange.

Aber: Zum Glück geht der Gentrifizierungseffekt in BEIDE Richtungen.

Nehmt ihr uns unsere Stadtteile, dann nehmen wir eure! Einfach weil sie uns gefallen!!

Wir verslummen eure Villenviertel und gewinnen neuen Lebensraum.

Wie geht das?

Ganz einfach: Trefft euch nicht mehr an Bahnhöfen oder öffentlichen Plätzen zum trinken, sondern verabredet euch zukünftig nur noch in einem Bonzenviertel. Die Elite dieses Landes will nämlich um jeden Preis unter sich bleiben, gemäss dem Motto “Reich und reich gesellt sich gerne”. Wenn wir genügend Präsenz zeigen, dann fühlen sie sich dort nicht mehr wohl. Die Mieten/ Hauspreise fallen und die Bonzen überlassen uns irgendwann ihr Prachtvillen zu einem Schleuderpreis, weil sie woanders hinziehen.

Also los und bei den Villen chillen!

Verasselte Delikatessgeschäfte (seit 1930)

Verasselte Delikatessgeschäfte (seit 1930)

Welche Freizeitaktivitäten bieten solche Toplagen wie das Schlossrondell in München oder Erlenstegen in Nürnberg?

– Herumhängen vor Feinkostläden anstatt vor Supermärkten

– Das Trinken von mitgebrachtem Billigbier in gepflegten Parkanlagen

– Schnorren auf hohem Niveau: “Haste mal ´nen Huni für ´n Taxi?”

– Spass mit pikiert schauenden Pelzmantelträger_innen: “Wo ist hier der nächste Substitutionsarzt?” oder “Wie spät ist es? Nein, ich meine welches JAHR.”

– Nackt baden in edlen Springbrunnen mit Freunden

– Haustiere wie Flöhe oder Kakerlaken sind auch hier willkommen!

– Freundliche Begegnungen mit Schutzmännern, die euch vertreiben wollen, aber einfach keinen Grund finden.

Die APPD lädt euch in diese Viertel ein. Wir finden, dass der Bodensatz der Gesellschaft auch auf vergoldeten Parkbänken gut schläft oder Sex in marmornen Swimmingpools haben darf. Trefft euch von nun an nur noch in ansprechendem Luxusambiente mit allen euren Freunden.

Lasst euch von den Cops nicht provozieren, wenn die Bonzen ihr Viertel vor eurem Einfluss schützen lassen wollen:

1. Lasst euch den Namen der Beamten geben (sie sind nach Art. 12 PAG dazu verpflichtet)

2. Fragt nach dem Grund für die jeweilige Schikane (dann müssen die Bullen Gründe finden)

3. Widersprecht ruhig und bestimmt den polizeilichen Maßnahmen, wenn sie euch nicht gerechtfertigt vorkommen (die Bullen sollen diesen Widerspruch auch notieren). Willigt nicht einfach ein, selbst wenn sie euch drohen, dass sie euch dann auf die Wache mitnehmen

4. Lasst nicht einfach eure Identität feststellen (Ausweis vorzeigen) oder sogar durchsuchen. Das dürfen die Cops laut Art. 13 PAG nur, wenn sie einen direkten Straftatverdacht haben (die Vermutung reicht nicht einfach) oder wenn ihr euch in einem Gefährdungsbereich aufhaltet. Hey, ein Luxusviertel KANN doch gar nicht gefährlich sein!

5. Wenn sie dann auch noch eure Rucksäcke durchsuchen wollen, dann verlangt nach §22 PAG eine sogenannte Durchsuchungsbescheinigung (die Bullen sollen auch das auf ihrem Block notieren). Diese Bescheinigung ist intern ein RIESIGEr Schreibauwand für die Beamten und danach überlegen sie sich zweimal, ob sie zukünftig nochmal deinen Rucksack durchsuchen

6. Beschwert euch danach schriftlich auf der Dienststelle über die Beamten. Du müsstest ja jetzt ihre Namen wissen. Oder lasst das von einem Asozialpädagogen deines Vertrauens schreiben. Macht das einfach, weil ihr es könnt.

Hoch lebe die Gentrifikation!

 *APPD – die Luxuspartei! *

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